Max Porsche

Menschenbilder im Geist der Zeit

Das hätte er sich wohl in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht, dass er mit seinen Fotografien im Jahr der Corona-Pandemie ein Gutscheinheft der Pillerseer Wirtschaft schmückt, der einstige Bildberichterstatter, Geschäftsmann und Flüchtling aus dem Sudetenland, Max Porsche.

Berühmt wurde der umtriebige Fotograf nie, schon gar nicht, wenn man ihn mit seinem grenzgenialen Namensvetter und wohl auch entfernten Verwandten Automobil-Konstrukteur Ferdinand Porsche vergleicht, aber sein Können und sein Gespür für das Wesentliche hat er zeitlebens bewiesen. So hat der Heimatverein Pillersee mit seinen Ortschaften einen Bilderschatz, der weitum seinesgleichen sucht. Immer am Puls der Zeit, ein bemerkenswertes Auge für Menschen, Gesichter, Charaktere und gleichzeitig ein bildnerischer Geschichtenerzähler. Nicht die so genannte High Society war das Ziel seiner fotografischen Begierde, sondern die einfachen Leute am Land. Dazu zählte auch er sich, als er in der schwierigen Nachkriegszeit ums Überleben kämpfte, wo für „Kunst“ und dem Luxus eines privaten Fotos kaum ein paar Groschen oder gar Schillinge übrig waren.

Gemeinsam mit seiner Frau Trude, deren Wurzeln in Fieberbrunn zu finden waren, bastelten sie Puppen, die so manche Kinderherzen erfreuten, gekleidet in liebevoll genähten Gewändern, die hölzernen Köpfe und Gliedmaßen geschnitzt vom Künstler Heinrich Müller.

Auch kleine Marterl gehörten zum schöpferischen Sortiment des „Fotografisten“, gedacht als Erinnerung an gefallene Soldaten, zum Aufhängen oder Hinstellen in den Stuben oder Zimmern. Aber Max Porsche nahm Teil an der Entwicklung seiner neuen Heimat, er erkannte die Möglichkeiten des Fremdenverkehrs und so kam es nicht von ungefähr, dass er auch in der Gründungsphase der Bergbahnen sein positives und zukunftsorientiertes Engagement einbrachte.

Keine Festlichkeit, keine Feier, kein Naturereignis wurde von ihm ausgelassen, immer begleitet mit der bekannten Apparatur zum Festhalten der Geschehnisse, oft noch dazu gewürzt mit einer kleinen Geschichte, die er mit seiner Schreibmaschine tippte. Als Ende der 1960er Jahre erstmals eine Kaufmannschaft gegründet wurde, war er ebenfalls ein Mann der ersten Stunde. Als Bekenner der Gemeinsamkeit, als Bewahrer des Alten und gleichzeitig als Befürworter für das Neue und den Herausforderungen der Zukunft. Deshalb wurden auch seine Bilder zur Gestaltung dieses Heftes gewählt, gleich einer Hommage an einen großen Menschen und einem wohlgemeinten Bekenntnis für die Werte der Menschen unserer Region.

Wolfgang Schwaiger

Heimatverein Pillersee

 

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